Posaunenchor

Schwester Emilie Bigalke, Gemeindeschwester in Loshausen und Leiterin des Mütterkreises, nahm die Begeisterung der Frauen über das Spiel des Posaunenchores in Hephata beim Besuch des dortigen Jahresfestes zum Anlass, für einen eigenen Posaunenchor in Loshausen zu werben. Das war im Jahre 1922. Es solten aber noch sieben Jahre vegehen bis endlich die Instrumente angeschafft waren und im Jahre 1929 ein Posaunenchor in der Kirchengemeinde Loshausen gegründet werden konnte. Es waren sechs Männer, die als erste bereit waren, das Posaune Blasen zu erlernen: in der ersten Stimme Johannes Dörrbecker und Heinrich Glänzer, in der zweiten Stimme Johannes Gimpel, im Tenor Johannes Stähling und im Bass Wilhelm Ries und Johannes Ditter.

Diakon Reuse aus Hephata kam einmal in der Woche nach Loshausen, um den Neulingen die Grundbegriffe des Posaunenspiels beizubringen. Die Übungsstunden fanden im Wohnzimmer der Familie Dörrbecker statt. Es wurde fleißig geübt, bis einige Choralsätze aus Kuhlo I saßen. Erst dann wagte der kleine Chor einen ersten öffentlichen Auftritt vor der Kirche.

Das neue Jahr wurde nun jeweils mit einem Turmblasen begrüßt, aber auch in manchen Gottesdiensten wurde der Gemeindegesang mit dem Chor begleitet. Die Loshäuser konnten sich nun selbst davon überzeugen, wie schön ein Posaunenchor in der eigenen Gemeinde ist.

Schwester Emilie brauchte von nun an nicht mehr für den Nachwuchs im Chor zu werben. Freiwillig kamen junge Leute und meldeten sich im Chor an. Fehlende Instrumente wurden jetzt teilweise in Hephata ausgeliehen.

Zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 wurden einige der Bläser als Soldaten eingezogen. Die Chorstunden konnten nun kaum noch stattfinden. Die Betreuung des Chores wurde auch immer schwieriger. Diakon Reuse übergab die Chorleitung an Diakon Küster aus Niedergrenzebach.

Zum Ende des Krieges kam Herr Erich Kalinke als Flüchtling aus Westpreußen nach Loshausen. Er hatte längere Jahre in seinem Heimatchor mitgewirkt und wurde nun gebeten, die Chorleitung zu übernehmen. In den Nachkriegsjahren kamen wieder neue Mitglieder in den Chor. Es waren Hans Boppert, Sebastian Laudenbach, Hans Ide, Otto Seehaver, Hans Schwalm, Heinrich Schwalm, Wilhelm Stumpf und Heinrich Wiegand. Von  nun an fanden die Übungsstunden bei Schwester Emilie Bigalke statt. Der Chor trat bei vielen kirchlichen Anlässen auf: In Gottesdiensten zur Begleitung des Gemeindegesangs, zu Ostern auf dem Friedhof, zu Missionsfesten in den Nachbargemeinden. Auf Wunsch spielte der Chor bei Hochzeiten und Beerdigungen.

Herr Erich Kalinke leitete den Posaunenchor bis zum Jahre 1958. Wegen seines Schichtdienstes wurde es ihm aber zunehmend unmöglich, die Chorarbeit kontinuierlich fortzusetzen. In diesem Jahr übernahm Herr Johannes Dörrbecker jun. die Chorleitung. Wohl konnte die Chorarbeit wieder aufgenommern werden, doch war der Elan des Anfangs dahin. Die Bläser kamen nur noch unregelmäßig zu den Übungsstunden und Auftritten, so dass der Chor oftmals nicht einsatzfähig war. Aus Ärger über diese Einstellung löste der Ortspfarrer Richard Carl den Chor auf und gab die Instrumente zum weiteren Gebrauch nach Hephata.

Im Jahre 1967 ging Herr Pfarrrer Richard Carl in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Johannes Rohde. Es sprach sich schnell herum, dass er bislang im Schlierbacher Posaunenchor mitgespielt und den Nachwuchs herangebildet hatte. Deshalb baten ihn die ehemaligen Bläser, den Posaunenchor doch wieder ins Leben zu rufen. Bislang hatte er allerdings keine Erfahrung in der Chorleitung. Deshalb nahm er Ende 1967 an einem Chorleiterlehrgang unter dem damaligen Posaunenwart Karl Kleem in Bad Hersfeld teil.

Natürlich mussten erst einmal die ausgeliehenen Instrumente wieder zurückgeholt werden. Das geschah am 11. März 1968. Am 21. März 1968 war es dann so weit: Der Posaunenchor wurde mit 10 aktiven Bläsern und 15 Anfängern wieder eröffnet.

Zu den Fortgeschrittenen gehörten: Johannes Bechtel (Röllshausen), Johannes Dörrbecker (Zella), Walter Dörrbecker (Loshausen), Johannes Knapp (Röllshausen), Hans März (Loshausen), Reinhard Ries (Loshausen), Johannes Rohde (Zella), Hans-Kurt Schmidt (Zella), Heinrich Schwalm (Loshausen) und Heinrich Wiegand (Loshausen).

Da der Chor von nun an für beide Kirchengemeinden bestand, wurde er „Evangelischer Posaunenchor Loshausen/Zella“ genannt. Die Übungsstunden fanden an jedem Donnerstag im Gemeinderaum in Loshausen statt.

Die Anfänger kamen von 19.00 – 20.00 Uhr und die Fortgeschrittenen von 20.00 bis 21.30 Uhr zusammen. Bei den Fortgeschrittenen war wohl der Ansatz ein wenig verloren gegangen, doch nach einigen Übungsstunden ging es mit dem Blasen auch wieder ganz gut.

Am 14. April 1968 stellte sich der wieder eröffnete Chor ein erste Mal der Gemeinde vor und spielte in den beiden Ostergottesdiensten in Zella und Loshausen. Von nun an gehört der Posaunenchor wieder zum Gemeindeleben dazu und spielte in Gottesdiensten, zu besonderen Gemeindefesten und zu Jubiläen und Geburtstagen im Laufe des Jahres.

Der Posaunenchor hatte sich inzwischen ein ansehnliches Repertoir an Chorälen und Volksliedern angeeignet. Deshalb beschlossen die Mitglieder, eine Fahrt in Schwälmer Tracht zu unternehmen. Allerdings hatte kaum einer eine vollständige Tracht zur Verfügung. Jeder musste also zusehen, dass er die passenden Kleidungsstücke irgendwoher bekam.

Endlich, am 26. Juli 1969, konnte diese Fahrt zur Rumequelle im Harz angetreten werden. Mit zwei VW-Bussen ging’s los. Überall, wo der Chor zu einem Ständchen auftrat, erntete er großen Beifall für die Lieder, besonders aber auch für die schmucke Schwälmer Tracht. Unterwegs in Spangenberg stellte sich der Chor zum Blasen auf dem Marktplatz auf. Neugierige kamen herbei, unter ihnen auch eine ältere Frau. Als sie die Schwälmer sah, rief sie: „Hilfe, Hilfe, die Russen kommen!“ und verschwand ganz schnell in ihrem Haus. Krönender Abschluss der Fahrt war dann ein Hochzeitsständchen vor der Gaststätte Justus Ruh bei Neukirchen mit anschließender Einladung zum Feiern.

Solche Fahrten wurden von nun an jedes Jahr gemacht, immer in Schwälmer Tracht. So etwa nach Hanau in die Johanneskirchengemeinde, nach Frankenberg zu Landrat Heinz Friedrich Albert und nach Winterberg zu einem Kirchenkonzert. Fahrten nach Laudenbach und Besuch der dortigen Kirchengemeinde, nach Marburg und zum Christenberg, zum Grenzgangfest nach Wetter, nach Sontra zu einem Freundschaftstreffen mit dem dortigen Posaunenchor, nach Waldeck, Alsfeld oder Harxheim zum Besuch der dortigen Kirchengemeinden und Mitwirkung im Gottesdienst und vieles mehr.

Seit 1974 nahm der Posaunenchor, ebenfalls in Schwälmer Tracht, an Festzügen in Loshausen, Zella und einmal auch in Treysa teil. Ebenso spielte er bei Dorffesten, beim Parksingen in Loshausen, bei Jubiläen der Vereine, bei Festen der Kirchengemeinden, zumeist in Schwälmer Tracht.

Pfarrer Johannes Rohde hatte bisher an mehreren musikalischen Fortbildungen in Bad Hersfeld und Schlüchtern teilgenommen und legte im Jahre 1974 in Schlüchtern seine Chorleiterprüfung ab. Für ihn war es wichtig, sich ständig weiterzubilden und durch Schulungen auf dem neuesten Stand bezüglich der Chorarbeit und der Bläserliteratur zu sein.

Die Ausbildung von Jungbläsern und Anfängern war deshalb auch ein besonderer Schwerpunkt seiner Chorarbeit. Von 1968 bis 2000 wueden 120 Bläserinnen und Bläser geschult. Der Chor stellte ihnen ein Instrument zur Verfügung, ebenso das nötige Notenmaterial. In den wöchgentlichen Übungsstunden wurden sie mit mehr oder weniger Erfolg in die Notenkunde und das Instrumentenspiel eingeführt. Außerdem waren die Jungbläserfreizeiten in Neukirchen bei den Anfängern besonders beliebt.

Ach, wie schön, wenn alle dabei geblieben wären! Wir hätten heute einen ansehnlichen Chor. Trotz allem ist aber immer eine Stammbesetzung von 20 – 25 Bläserinnen und Bläsern geblieben. Und manche, die in dem Posaunenchor Loshausen/Zella das Blasen erlernt haben, sind heute bekannte Musiker.

In diesen Jahren hat der Chor mehrere Jubiläen gefeiert. Im Mai 1980 begeht der Posaunenchor sein 50jähriges Jubiläum. Der Chor zählt zu diesem Zeitpunkt 20 aktive und 5 passive Mitglieder. Den Auftakt bildet eine festliche Abendmusik am Samstag, dem 3. Mai 1980, in der Kirche von Loshausen. Neben dem Posaunenchor treten auch Solisten der Musikhochschule Frankfurt auf. Es werden Mitglieder für 10-, 20- und 30-jährige Mitgliedschaft geehrt. Am Tag danach ist ein Festgottesdienst in der Kirche von Zella. Es wirken dort auch Gastchöre aus der Nachbarschaft mit. Allen bleibt das Motto des Chores in Herz und Ohr: „Wir spielen Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude!“

Zehn Jahre später wird im Rahmen eines Kreisposaunenfestes das 60jährige Jubiläum begangen. Auftakt ist ein Bläserkonzert in der Kirche von Loshausen mit dem Hephata-Sextett und dem Jubiläumschor. Den Höhepunkt bildet das Kreisposaunenfest am 27. Mai 1990 mit 120 Bläserinnen und Bläsern aus dem Kirchenkreis Ziegenhain in der Kirche von Loshausen. Die Gesamtleitung hat Kantor Wolfgang Adam, die Festpredigt hält Ortspfarrer Johannes Rohde. Zu dieser Zeit hat der Chor 25 fortgeschrittene Mitglieder und 17 Anfänger.

Das Jubiläum zum 70jährigen Bestehen des Chores wird im März 2000 gefeiert. Wieder steht am Anfang ein Bläserkonzert. Diesmal wirken die Bläsergruppe des Posaunenwerks und der Kirchspielchor mit. Auf dem Programm stehen Werke alter und zeitgenössischer Meister. Landesposaunenwart Ulrich Rebmann nimmt die Ehrung verdienter Chromitglieder vor. So werden mit Nadel und Urkunde für 50 Jahre aktive Bläsertätigkeit Johannes Bechtel, Johannes Dörrbecker, Walter Dörrbecker, Hans März, Johannes Rohde und Hans-Kurt Schmidt ausgezeichnet. Der Chor besteht zu dieser Zeit aus 25 fortgeschrittenen Mitgliedern und 10 Anfängern.

Ein besonderes Ereignis war die Mitwirkung des Chores am Eröffnungsabend des Frankfurter Kirchentags in Schwälmer Tracht am 13. Mai 2001. Dazu waren die Chormitglieder zusammen mit der Tanz- und Trachtengruppe Loshausen nach Frankfurt gefahren. Bereits am Nachmittag war der Chor in der Stadtmitte. Die Trachtengruppe verkaufte in zwei Pavillons Wurst- und Schmalzbrot, der Posaunenchor hatte um 21 Uhr seinen Auftritt auf der Bühne am Rossmarkt. Etwa eine Stunde lang spielten die Bläserinnen und Bläser aus der Schwalm Choräle und Volkslieder unter großem Beifall der Kirchentagsbesucher.

Mit seiner Pensionierung zum 1. Januar 2002 gibt Pfarrer Johannes Rohde nach über 30jähriger Tätigkeit sein Amt als 1. Vorsitzender und Chorleiter ab. Von nun an dirigiert Herr Helmut Lange den Chor. Er ist seit 1970 Chormitglied und spielte bislang mit seinem Horn in der Tenorstimme mit. Er leitet den Chor auch beim 75jährigen Jubiläum im Dezember 2004. Den Vorsitz des Chores führt Frau Annchen Wenzlik.

 

Kontakt

Annchen Wenzlik

Holzburger Str. 1

34628 Zella